Vorausdenken und Handeln
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Freitag, 26. Januar 2018 um 11:14

Ehrlich, spannend, politisch - der BDL-DBV-Junglandwirtekongress

20180126 JLWK IGW„In Deutschland unterstützt die Politik eher die gesellschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft, in Russland sind es eher die großen, die innovativen Betriebe, die staatlich gefördert werden“, stellt Stefan Dürr am Samstag fest. Schon als der Chef der russischen Agrarholding EkoNiva erwähnte, dass landwirtschaftliche Unternehmen dort von der Gewinnsteuer befreit seien, war ein Raunen durch die Reihen des Junglandwirtekongresses auf der Grünen Woche gegangen.

Doch nicht deshalb hatten der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) e.V. und der Deutsche Bauernverband (DBV) Russlands größten Milchviehhalter - sein Unternehmen erzeugt rund 1100 Tonnen Milch täglich und sieht noch viel Luft nach oben - als Gesprächspartner eingeladen. Sondern weil der „Blick über die Grenzen hinaus enorm wichtig“ und „Dürr ein Paradebeispiel für unternehmerischen Mut ist“, wie es DBV-Präsident Joachim Rukwied in seinem Grußwort formulierte.

„Fakt ist, Stefan Dürr hat sehr deutlich gemacht, welche Chancen er der deutschen Landwirtschaft einräumt, wo Wettbewerbsvorteile liegen und was für den Erfolg zählt. Er hat seine Erfahrungen und Analysen mit uns geteilt und klare Worte gefunden, die sicher nicht jeder hören will, weil sie Veränderung bedeuten, aber für uns goldrichtig waren“, stellt BDL-Vize Kathrin Muus fest. Sie leitete den Junglandwirtekongress „Unendliche Weiten - Zwischen Politik und Landwirtschaft“, zu dem gut 250 junge Nachwuchskräfte gekommen waren.

Für einige von ihnen war Stefan Dürr kein Unbekannter. Der Landwirt aus dem Odenwald hatte nie vergessen, woher er kommt und baut schon lange an der Brücke zwischen beiden Ländern, über die er einst mit dem Praktikantenaustausch des DBV und der Unterstützung von Bayerischer Jungbauernschaft und BDL selbst gegangen war. Mehrfach bedankte er sich bei den Verbänden und betonte, dass es EkoNiva ohne diese nicht hätte geben können.

Sachlich und so knapp, wie es angesichts der komplexen Betriebsstrukturen möglich ist, stellte er seine Unternehmensgruppe vor. So will er bis 2020 die Zahl seiner Milchkühe von derzeit 45.000 mehr als verdoppeln und die von EkoNiva bewirtschaftete Fläche auf rund 500.000 Hektar aufstocken. Anders als in Deutschland seien preiswerte Flächen verfügbar. Wöchentlich würden ihm vier bis fünf Agrabetriebe zum Kauf angeboten.

Bei allen Vorhaben - und das wurde auch bei den Nachfragen der Junglandwirte im Publikum sehr deutlich - hat er den Markt sehr genau im Blick. Angesichts der zunehmend stärker auf den Export ausgerichteten russischen Agrarpolitik werde es langfristig schwerer für deutsche Landwirtschaftsprodukte, so Stefan Dürr. „Weil bei uns andere Standards gelten, die Landwirtschaft im Vergleich zu den riesigen Betrieben in Russland kleinteilig ist und Arbeitskräfte viel kosten. Das ist nicht neu, wird einem aber selten so vor Augen geführt“, stellt BDL-Vize Kathrin Muus fest.

Zugleich haben Landwirte in Deutschland den Vorteil, dass die Kaufkraft im Vergleich zu Russland viel größer ist. Für Dürr liegt klar auf der Hand: „Ihr habt eine Riesenchance irgendwas Besonderes zu machen, damit die Verbraucher mehr bezahlen. Das sind Gestaltungsspielräume, mit denen sich Zukunft aufbauen lässt.“

In dem Publikumsgespräch ging es um zahlreiche Fragen. Von der Sprachbarriere bis zu politischen Beziehungen, vom Image der Landwirtschaft in beiden Ländern bis zu den Auswirkungen von Sanktionen und Embargo auf die russische Landwirtschaft, von der eigenen Motivation bis zur Organisation von Familie und Berufsleben - daheim ist das Handy aus - Stefan Dürr blieb keine Antwort schuldig.

Bei alledem verwies er stets auch auf die soziale Verantwortung seines Unternehmens für die ländlichen Räume, die fast genauso wichtig für den Erfolg seien wie das Personal. EkoNiva fährt verschiedene Strategien, um gute Leute zu finden, zu halten bzw. auszubilden, denn auch wenn Arbeitskräfte preiswert zu haben seien, fehle es anders als in Deutschland an Fachwissen in der Breite, an Menschen, die Verantwortung übernehmen können und wollen.

Von BDL-Vize Kathrin Muus angeregt, gab Stefan Dürr den Kongressbesuchern gern ein Stück seiner Lebensmaxime mit auf den Weg: „Versucht ein Stück vorauszudenken. Schaut, wo ihr heute steht, was in fünf, zehn oder 15 Jahren sein wird und überlegt, was ihr aus eurer Situation heute machen könnt. Einfach nur sitzen, abwarten und denken, es geht so weiter, wie es immer war - das wird in Zukunft nicht mehr funktionieren.“

„Wir werden uns politisch einmischen und Landwirtschaft gestalten. Stefan Dürr hat geerdet, aber auch Mut gemacht und gezeigt, was gehen kann, wenn man nach Niederlagen wieder aufsteht“, so die stellv. Bundesvorsitzende nach dem gemeinsamen BDL-DBV-Junglandwirtekongress auf der Grünen Woche.

Quelle: Bund der Deutschen Landjugend e.V., 26.01.2018

 
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